Interviews, Von Angesicht zu Angesicht 1

„Bulgarien muss das Jamaika Europas werden!“ – Malky im Interview

Gerade eben erst vorgestellt und jetzt schon im Gespräch, von Angesicht zu Angesicht: Wir hatten das Vergnügen Daniel von Malky in einer der wohl schönsten Locations Münchens zu treffen, dem Hotel/Café Mariandl. In entspannter Atmosphäre hat er uns allerlei Interessantes über die Teilnahme an der BR „Startrampe“, seine Heimat Bulgarien und den Zukunftsplänen der Band erzählt. Das mit Spannung erwartete erste Album des Duos mit dem Titel „Soon“ erscheint übrigens am 27.06.2014. Bitte rot im Kalender markieren!

kristall: Malky —> Diamonds —> Kristall-Magazin. Wahnsinn.

daniel: Das hab ich mir auch gedacht. Wir sind wie für einander geschaffen!

kristall: Hotel Mariandl in München, man kann es schlechter erwischen, oder?

daniel: Wirklich sehr cool, nicht nur die Lobby und das Cafe, auch die Zimmer sind großartig: Stuck, alte Waschbecken, tolle Einrichtung. Allerdings nur kaltes Wasser.




kristall: Aber gut, dann bist du also fresh heute?

daniel: Klar!

kristall: Ihr wart ja kürzlich eine der Bands der „Startrampe“ des Bayerischen Rundfunks. Somit ist München ja wahrscheinlich inzwischen eure zweite Heimat geworden, oder?

daniel: Ja, wir waren tatsächlich sehr oft in München. Tolle Stadt!

kristall: Wie war das für euch, bei solch einem Format mitzumachen? Das ist ja schon ein kleiner Seelenstriptease.

daniel: Wir hatten natürlich bedenken. Aber wir haben uns dafür entschieden und müssen sagen, dass es sehr, sehr angenehm für uns war. Wir hatten die Sorge, dass das ganze irgendwie doof und peinlich wird, aber es war nicht so. Alle waren sehr entspannt, nett und zuvorkommend und haben uns wirklich im wahrsten Sinne des Wortes eine Startrampe gegeben. Ich wurde schon von so vielen Leuten angesprochen, die uns dort gesehen haben. So etwas ist natürlich auch ein tolles Argument, dass wir jetzt Anfang des Jahres hatten. Außerdem haben sie uns auch noch ein Video finanziert, worüber wir natürlich sehr glücklich sind.




kristall: Ihr würdet die Teilnahme an der Startrampe also auch anderen Bands auch weiterempfehlen.

daniel: Auf jeden Fall. Vielleicht werden wir ja auch mal wieder eingeladen. Als VIP-Gäste, oder so? (lacht)

kristall: Oder als Mentoren? Wen hattet ihr als Mentoren?

daniel: Immer gerne! Klar, man wünscht sich als Mentor jemanden wie Wim Wenders , aber der kommt natürlich nicht. (lacht). Aber wir hatten trotzdem coole Leute um uns. Zum einen Flo Mega, ein sehr  cooler Typ. Er ist überhaupt der einzige, dem ich diese „Soul auf Deutsch“-Schiene abnehme. Ich höre den Schmerz aus seiner Stimme raus.

kristall: Hey, und was ist mit Xavier Naidoo??

daniel: Mhh, naja, bei Xavier ist es ja eher eine Transformation. Das ist ja kein direkter Soul, sondern manchmal teutonischer…  (alle lachen). Aber deswegen ist es ja auch so interessant… Auf lange Sicht hat er ja schon einen gewaltigen Einfluss auf die Musikszene hier in Deutschland gehabt. Das kann man nicht leugnen.

kristall: Zurück zu den Mentoren. Wim Venders wäre euer Wunschkandidat gewesen.

daniel: Ja, Wim Wenders, R. Kelly, … wir haben alles versucht, aber es hat nicht geklappt (lacht). Aber Flo Mega war wirklich eine tolle Idee von denen. Er hat mir auch kürzlich mal wieder ein SMS geschrieben. Er findet das Video zu „History of Broken Hearts“ super und wollte wissen wie man so einen Sound macht. Ich denke er kommt uns demnächst sicher in Leipzig besuchen. Unser zweiter Mentor bzw. Mentorin war Anna F., die Österreicherin. Wir haben auch den gleichen Regisseur wie sie gehabt für unser erstes Video zum Song „Diamonds“.

kristall: Anna F. ist ja mittlerweile auch kein Newcomer mehr.

daniel: Ja, richtig. Sie ist definitiv auf Kurs und eigentlich schon ein echter Popstar in Österreich. Wow.

kristall: Aber jetzt mal wieder zurück zu euch. Ihr habt ja eigentlich alles alleine auf die Beine gestellt. Ihr habt sogar ein eigenes Label gegründet.

daniel: Absolut. Wir haben ein eigenes Label und glücklicherweise einen Vertriebsdeal mit Roughtrade an Land gezogen, was die ganze Sache sehr solide macht. Wir haben ein gutes Management und in dieser Konstellation arbeiten wir ohne dem Push und Druck eines Major-Labels. Natürlich, unsere Klickzahlen wachsen langsam, aber eben sehr stetig und vor allem fühlt sich alles sehr gesund an.

kristall: Organisch?

daniel: Genau das ist es. Wie ein Baum der wächst. Langsam aber solide. Und darunter sammeln sich einfach richtig tolle Leute.

kristall: Gibt es einen Grund warum ihr alles selber macht? Hatte ihr irgendwelche bizarren Situationen mit Majors? Habt ihr Showcases gespielt und euch anhören müssen, dass ihr vielleicht lieber auf deutsch singen sollten oder dringend andere Frisuren braucht, wenn ihr Erfolg haben wollt?

daniel: Nein, glücklicherweise hatten wir so eine doofe Showcase-Situation nicht. Wir hatten Anfang 2012 ein kleines Konzert in Berlin nur für uns und unsere Freunde organisiert. Das war unser zweiter Live-Auftritt überhaupt, mit großer Besetzung sogar, sodass wir insgesamt acht Leute waren. Das ganze hat in einem kleinen Loft in Wedding stattgefunden. Und da war zufällig unser jetziger Manager zugegen. Er hat uns gehört und war begeistert. Daraufhin haben wir einen Management-Pakt mit ihm geschlossen und angefangen als Support-Act Konzerte zu spielen. Diese Gigs haben manchmal schon den Charakter eines Showcases. Ansonsten haben wir, als die erste Platte fertig war, gedacht, wir machen uns ganz interessant und laden alle Medienpartner nach Leipzig ein. Also alle. Die ganze Welt. Naja, es ist niemand gekommen (lacht). Ok, ich verstehe das Prinzip auch jetzt erst langsam. Man findet halt einfach nirgendwo statt. Man hat seine 100 Facebook-Fans und es interessiert erstmal keinen. Und wer fährt jetzt nach Leipzig an einem Donnerstag? Wenn wir jetzt in Berlin oder München spielen, dann kommen natürlich Leute aus der Branche vorbei und schauen uns zu. Da gehts dann z.B. um die Option das zweite Album evtl. irgendwo anders zu veröffentlichen usw. …




kristall: In eurer Bandinfo stehen Sätze wie „ MALKY kommen aus Leipzig. Und sind doch nicht von hier“ oder „Der Balkan und die Sehnsucht nach der Heimat verbinden die beiden“.

daniel: Mysteriös, mysteriös! (alle lachen) Ich bin in Bulgarien geboren und mit 4 Jahren nach Deutschland gekommen. Ich bin in Baden Württemberg aufgewachsen und erst vor zwei Jahren nach Leipzig gezogen. Michi ist eigentlich Ungar und ein Jahr früher nach Leipzig ausgewandert.

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kristall: Seid ihr in Leipzig angekommen? Findet ihr in der Leipziger Musikszene statt? In Leipzig ist ja gefühlt jeder zweite Musiker, Künstler, Kreativer… Ganz im Gegensatz zu München. Wenn es so weiter geht, gibt es hier bald nichtmal mehr Clubs in denen Bands auftreten können…

daniel: In München haben halt alle gescheitere Jobs! (lacht) Ich denke das die Szene oder überhaupt Leipzig als Ganzes in den letzten 2-3 Jahren einen enormen Aufwind erlebt hat.

kristall: Profitiert ihr davon?

daniel: Ich kann das relativ schlecht abschätzen, denn eigentlich haben wir relativ wenig mit der Szene in Leipzig zu tun. Wir haben eine Handvoll Leute, primär Musiker, in unserem engsten Kreis und kommen so langsam immer weiter rein. Aber Leipzig ist eine tolle Stadt! Alleine die Sachsenbrücke ist fantastisch, an einem Abend wie heute ist da wirklich einiges los und überall machen Leute Musik, echt einmalig. Im Gegensatz zum Süden und im speziellen München, ist einfach die finanzielle Druckfront nicht da. Man zahlt dort unglaublich viel Miete und die Kosten sind im allgemeinen viel höher. Das fehlt in Leipzig und deswegen ist es dort einfach etwas entspannter und auch vielleicht etwas kreativer.




kristall: Du kommst ja aus Sofia. Im Sommer wird dort Massive Attack auftreten. Ist das Flair/die Stimmung bei solch einem Konzert in Bulgarien deiner Meinung nach anders, als z.B in Deutschland?

daniel: Das ist eine interessante Frage und ich beschäftige mich tatsächlich sehr viel mit diesem Thema, weil ich den Drang hab auch dort wieder zurückzukehren. Natürlich bleibe ich in Deutschland, aber in zwei Wochen werde ich wieder nach Sofia fliegen und meine Großmutter besuchen. Ich habe ein wahnsinniges Bedürfnis zu sehen, wie Gleichaltrige dort drauf sind, was sie machen, welche Start-ups es gibt, welche Tonstudios usw. Auf dem Balkan liegt ein wahnsinniger Schatz, ein Folklore-Schatz. Viele Leute wissen gar nichts davon, aber auch von den Einheimischen wird das nicht richtig wahrgenommen. Traditionelle Sachen werden auf jeden Fall gepflegt, aber diese Transformation die man machen muss, um so etwas auf die „Weltbühne“ zu bringen, fehlt. Man müsste das richtig verpacken damit es funktioniert. Das ist eine wie ich finde sehr interessante Aufgabe, die wir wahrscheinlich auch im Zuge des nächsten Albums angehen und dort auch mehr zeit verbringen werden — vielleicht sogar nächstes Jahr zwei bis drei Monate.

Wenn solch eine große Band wie Massive Attack in Bulgarien stopp macht, ist die Euphorie natürlich groß. Das liegt an dem Mix aus Völkern und die Leute sind im allgemeinen „wilder“, das liegt uns im Blut. Nimm beispielsweise die Gypsis – für mich die Könige des Moments. Wenn die eine Hochzeit feiern, dann so, als gäbe es kein Morgen. Es sind arme Völker und Bulgarien ist die Müllhalde Europas geworden im Zuge der EU Erweiterung. Irgendwo müssen Ventile da sein, was in vielen Fällen Musik ist. Sie müssen aber unbedingt aufhören den Westen mit irgendwelchen 90er Jahre R&B zu kopieren, das ist wirklich schlimm. Dass es auch anders geht sieht man z.B. an Jamaika. Die zelebrieren ihre Folklore! Die Jungs in Bulgarien müssen das Jamaika Europas werden. Da muss einfach ein gewisser Stolz her!

kristall: Jetzt wird es politisch. Du bist Bulgare, dein Bandkollege Michi ist Ungar und ihr lebt in Deutschland. Geht ihr morgen wählen?

daniel: Oh ja stimmt, ich muss morgen wählen gehen. Es liegt alles in Gottes Händen, wenn wir rechtzeitig wieder in Leipzig ankommen geh ich wählen und wenn nicht, dann hat der liebe Gott nicht gewollt, dass ich wählen gehe. Geht ihr wählen?

kristall: Freilich, natürlich, klar!

daniel: Also nein! (alle lachen)

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 – Malky-Daniel & Kristall-Dominik

kristall: Ihr macht ja eine Art von Musik, die durchaus auch international funktionieren könnte. Könnt ihr euch vorstellen rastlos unterwegs zu sein? Heute Konzert in Barcelona, morgen in Tokio? Drei, vier Monate im Jahr nur von Ort zu Ort zu reisen? Oder strebt ihr das sogar an?

daniel: Ja, ich kann mir das sehr gut vorstellen. Ich habe die letzten paar Monate eine gewisse Abhärtung erfahren und fühle mich jetzt bereit dazu. Falls es dazu kommen sollte, nehme ich das gerne in Anspruch. Ich habe mir mein Leben so aufgebaut, dass ich nicht besonders viele Bindungen habe und so relativ schnell meine sieben Sachen packen und mich auf den Weg machen könnte. Das ist so eine Phase in meinem Leben. Ich habe das irgendwie verstanden und versuche das jetzt nicht umzubiegen. Wenn wir die Möglichkeit haben europaweit oder sogar weltweit Konzerte zu spielen, dann freu ich mich darauf. Auch wenn es bedeutet, dass man sich ein bisschen entwurzelt. Aber vielleicht zieht dann die Energie in die Musik ein. Was gibt es schöneres als wenn sich Leute abends versammeln um dich zu hören?

kristall: Es gibt ja genug Beispiele an Künstlern, die süchtig nach diesem Gefühl geworden sind und ständig „on the road“ sein müssen. Bob Dylan ist wohl der prominenteste Vertreter…

daniel: Klar, das kann ich schon auch gut verstehen. Wenn dir so viele Menschen jeden Abend zuhören… Naja, wir werden sehen. Das wird auf jeden Fall ein sehr spannendes Jahr für uns…

kristall: So, die wichtigste Frage ganz zum Schluss: Wer gewinnt heute die Champions League?




daniel: Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Atletico gewinnen wird. Die haben ja auch schon in der Liga ein Mal gegen Real gewonnen… Ein unangenehmer Gegner für Real auf jeden Fall.

kristall: Seid ihr als Band eher Real oder Atletico? Stolz oder Arbeiter?

daniel: Ja, okay, wir sind Real. Stolz!

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  • […] Im Kristall-Interview verriet uns Sänger Daniel einiges über seine Heimat Bulgarien und die Zukunftspläne der Band. Dazu gehörte auch die Veröffentlichung des Debütalbums “Soon”. Seit gestern ist es soweit — die Platte ist im Handel erhältlich. Wir haben mal reingehört, in das schon vorher vielversprechende Werk. Bereits der Opener und Titeltrack “Soon” weiß zu begeistern und leitet 45 Minuten puren Soul ein. Da haben Daniel Stoyanov und Produzent Michael Vajna in Leipzig etwas besonderes geschaffen. Hört mal rein! […]

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