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„Fotografie ist ein Mittel der Selbsttherapie“ — Resa Rot im Interview

Resa Rot wohnt in Leipzig und hat sich seit drei Jahren der Fotografie verschrieben. Diese ist für sie eine Art Selbsttherapie, da es ihr lange schwer fiel unter die Leute zu gehen und soziale Kontakte zu pflegen. Schnell entwickelte sie ein eigenes Auge und sieht mittlerweile „Gegenstände sofort in einem Kontext“. Speziell die Portraits haben es ihr angetan. Hier findet ihr Auszüge ihres Schaffens und unten erfahrt mehr über sie im Kristall-Interview.

kristall: Hallo Resa, wie siehst du die Welt?

resa: Hallo, ui, wie soll man das in einem Satz beschreiben? Ich glaube, dass wir alle etwas anderes sehen und wohl das ganze Leben damit zubringen diese Dinge in der Kommunikation miteinander abzugleichen. Aber eines kann ich sagen: Ich sehe sie mit Humor, meistens jedenfalls.

kristall: Du kannst auch gerne länger als in einem Satz antworten. Würdest du sagen es gibt einen Unterschied in deiner Sichtweise zwischen vor deiner Arbeit mit der Fotografie und heute?




resa: Die Fotografie lässt einen achtsamer und fokussierter werden.

kristall: Kannst du uns ein Beispiel bringen?

resa: Ich sehe Gegenstände sofort in einem Kontext bzw. fallen mir Geschichten ein, die ich mit ihnen erzählen könnte. So als ob alles mit Symbolik aufgeladen ist bzw. sein kann, wenn man danach sucht. Ich sehe ganz viel Poesie um mich herum.

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kristall: Da auf deinen Fotos oft Menschen zu sehen sind, sind diese dann gleichzeitig für dich schönste Poesie?

resa: Sie sind für mich das Kryptischste in dieser Welt. Daher versuche ich mich am stärksten mit ihnen auseinanderzusetzen.

kristall: Das Kryptischste?

resa: Ja, sie sind rätselhaft, unergründlich und auch beängstigend.

kristall: Aber was macht den Menschen so kryptisch für dich?

resa: Schwierig, ich glaube, das ist ähnlich, als ob ich erklären müsste, was die Farbe grün für mich grün macht (schmunzeld). Verstehst du andere Menschen sofort? Sie haben alle ihre eigene Geschichte die sie in sich tragen. Erfahrungen, die sie geprägt haben und selbst wenn man dieselbe Sprache im Sinne von Landessprache spricht, muss man doch stets alles erst dechiffrieren.




kristall: Ist definitiv ein ehrgeiziger Plan jeden Menschen zu dechiffrieren. Du versuchst es durch deine Fotos? Wie kam es dazu?

resa: Das ist nicht mein Plan, das wäre absurd (schmunzeld). Für mich funktioniert es andersrum. Ich kann erst fotografieren, wenn ich einen Zugang zu meinem Gegenüber gefunden habe. Wenn wir keine gemeinsame Ebene finden, breche ich so eine fotografische Begegnung lieber ab. Aber du wolltest wissen, wie es dazu kam… Ich hatte lange Zeit Probleme unter Menschen zu gehen. Es fällt mir auch heute noch teilweise schwer soziale Kontakte wahrzunehmen. Die Fotografie ist ein Mittel der Selbsttherapie für mich geworden.

kristall: Interessanter Ansatz bei dem am Ende auch noch schöne Bilder rauskommen… Aber Fotografie war nicht schon von klein auf deine Leidenschaft, oder?

resa: Nein, meine große Liebe galt der Musik. Die Fotografie ist erst vor 3 Jahren in mein Leben getreten.

kristall: Wie sah die Liebe konkret aus und wo ist sie hin?

resa: Ich habe mit 6 Jahren begonnen Violine zu lernen. Später kam klassischer Gesangsunterricht dazu. Ich nahm an Wettbewerben teil, spielte im Orchester, sang im Opernchor, dann in verschiedenen Bands. Zuletzt gab es ein wunderbares Singer/Songwriter-Projekt mit einem lieben Freund, der dann ins Ausland ging. Musik war so lange Zeit mein Mittel des kreativen Ausdrucks gewesen, sodass ich wirklich eine große Leere verspürte, als unser Projekt endete. Die Liebe zur Musik ist aber noch da. Ich wünsche mir irgendwann noch einmal Menschen zu finden, mit denen gemeinsames Musik machen möglich ist.

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kristall: Und diese Leere füllte dann die Fotografie? Wie fing das an?

resa: Mit einem Workshop für Portraitfotografie. Daraus entwickelte sich Stück für Stück eine Leidenschaft, die bis heute anhält und noch wächst.

kristall: Wie sieht sie denn ausgewachsen für dich aus? Was gibt es für Pläne?

resa: Ich habe ehrlich gesagt keine Pläne und eine Karriere interessiert mich tatsächlich übehaupt nicht. Ich möchte weiterhin Bilder machen, die für mich persönlich wichtig sind.

kristall: Wie suchst du dir dabei Motive aus? Hat da Spontanität für dich auch Vorrang?

resa: Ich versuche mit meinem Gegenüber zusammen Bilder für Dinge zu finden, die uns momentan beschäftigen. Das können Emotionen, Konflikte oder Fragen sein. Da ich meist bei den Menschen zu Hause fotografiere, baue ich oft Gegenstände ein, die mir dort auffallen und die Assoziationen wecken. Sehr oft habe ich aber auch einfach nur Lust am fabulieren und Quatsch machen. Es muss nicht immer hinter allem eine Botschaft stecken.

kristall: Hast Du ein Lieblingsfoto von dir?

resa: (überlegt) Nein.

kristall: Aber hast du vielleicht Lust uns ein für dich besonderes Bild zu zeigen?

resa: Das ist dieselbe Frage, nur anders verpackt (schmunzeld). Ich könnte mich da schwerlich entscheiden. Ich habe aber eine „Muse“, wenn man das so nennen kann, von der ich alle Bilder mag. Hier seht ihr sie doppelt.

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kristall: Letzte Frage, welche Assoziation weckt das Foto in dir?

resa: Ich möchte darauf eine Antwort finden, die sich richtig anfühlt, aber ich glaube, diese Frage bleibt unbeantwortet. Ich mag einfach nichts vorwegnehmen, was der Betrachter dann darin bewusst sucht. Jeder soll seine eigenen Assoziationen entwickeln dürfen. Spannend für mich wäre, wenn du diese Frage zum Schluss beantworten würdest und wir quasi die Rollen noch einmal tauschen. Also, welche Assoziation weckt das Bild in dir?

kristall:  Auf Anhieb hätte ich an ein Musikvideo gedacht. Ja, es erinnert mich an einen Videodreh in einem Wald, den wir mal vor Jahren gemacht haben. Und, falls das da eine Weide ist, auch irgendwie an meine Kindheit.




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2 Kommentare

  • Kulturlust sagt 28/05/2015 at 14:23

    Sehr schönes Interview und die Bilder von Resa sind traumhaft!

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