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Interview mit Max Steilen

Er entschloss sich sein eigenes Ding zu machen bevor es zu spät ist. Vom Bankkaufmann zu einem der angesagtesten Brillendesigner der Stadt. Unter dem Namen „St. Eilen No. 1“ brachte der Leipziger Max Steilen seine erste Kollektion auf dem Markt. Wir trafen uns mit ihm in seinen Büro (seiner alten WG) in einem Plattenbau mitten in der Messestadt und sprachen über seine persönliche Erfolgsgeschichte und die Idee der Zukunft — die Hochzeitsbrille.

mvw: Zellulose-Acetat, was bedeutet das für dich?

max steilen: Das ist ein mega-traditioneller Werkstoff für den ich mich bei der Herstellung meiner Brillen entschieden habe, weil es einfach der Werkstoff für Brillen überhaupt ist. Gar nicht, weil es ein extrovertiertes, sondern vielmehr ein klassisches Material ist, das sich gut verarbeiten lässt. Kein fency Holz oder fency Blech — Zellulose-Acetat ist mein Stoff.

mvw: Warum ausgerechnet Brillen?

max steilen: Als ich klein war haben mich meine Eltern vor die Entscheidung gestellt was ich denn nach der Schule machen werde. Ich bräuchte eine Lehrstelle. Da war ich erst einmal geschockt. Zu dem Zeitpunkt war mir gar nicht bewusst, dass es noch ein Leben nach der Schule gibt (lacht). Also begann ich Bankkaufmann zu werden, bevor ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, was ich wirklich will. Als ich dann anfing nachzudenken, fiel mir auf das eine Mischung aus Handwerk, Medizin, Verkauf und dem Umgang mit den verschiedensten Menschen spannender ist, als eine Banksituation. Obendrein hatte ich Schiss irgendwann mal gegen einen Automaten ausgetauscht zu werden. Deswegen switchte ich zum Optikermeister und machte meine Ausbildung an der Fielmann-Akademie auf Schloss Plön.




mvw: Wie lange warst du dann, inklusive Ausbildung, dort?

max steilen: Ich habe insgesamt zwölf Jahre bei Fielmann verbracht und dort meine Meisterausbildung abgeschlossen. Zwischenzeitlich hab ich im Vertrieb gearbeitet und gemerkt, dass das nur bedingt sexy ist, solange nicht die Kollegen und die Kunden passen. Die Kunden waren auch ganz nett, aber im Unternehmen war niemand mit dem ich prinzipiell mal ein Album tauschen würde. Das war eine seelenlose Arbeit und ich wollte nicht gebrochen sein, also hab ich meinen Koffer geschnappt und bin in meine Lieblingsstadt Leipzig gekommen.

mvw: Wie ging die Geschichte weiter?

max steilen: Ich wollte zunächst meinen eigenen Laden eröffnen, hab aber ziemlich schnell gemerkt, dass man sich verbiegen muss, möchte man einen stationären Optiker eröffnen. Diesem Druck, der da entsteht, wollte ich entgehen und hab mich entschieden meine Verbindungen in die ganze Nation zu nutzen und lieber eine Brille für alle zu machen, die dann ortsungebunden über die Stadtgrenzen hinaus zu haben ist.

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mvw: Die Idee von der einen Brille, entstand die erst als du die seelenlose Arbeit bemerktest, oder war sie schon länger in dir?

max steilen: Die Idee oder besser gesagt den Wunsch, die eine perfekte Brille zu machen, gibt es schon ganz lange. Ich hab mir früher immer Brillen angeschaut, gedacht: ,Mensch, hätten die einen Euro mehr investiert, dann wäre es eine perfekte Brille, so ist es nur eine teure.‘, und daraufhin stieg in mir das Verlangen es einfach selbst in die Hand zu nehmen. Mit Idealen wie kein Markenzeichen, matt und einer klaren Linie wollte ich die Brillen aus einem eigenen Laden heraus verkaufen. Als ich mich dann weiter damit beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass es sein könnte, dass andere Optiker, denen ich meine Kollektion verkaufe, vielleicht auf die Idee kommen könnten, den „Made in Germany“-Aspekt, der mir sehr wichtig ist, zu verwässern, indem sie, zum Beispiel, Gläser vom asiatischen Markt einsetzen. Das möchte ich nicht. Vielmehr möchte ich mir sicher sein, dass die Leute, die die Gläser hier in Deutschland bauen, ein würdiges Gehalt bekommen und ich den Menschen eine Brille komplett aus Meisterhand überreichen kann.

mvw: Bisher gibt es ausschließlich eine Brille von dir auf dem Markt, die „St. Eilen No. 1“. War das auch ursprünglich dein Plan, nur auf eine zu setzen?

max steilen: Ich hab das ganze Thema versucht auf das Nötigste einzudampfen. Es hat einfach mehr Chancen auf Erfolg, wenn man eine Brille richtig macht und nicht zehn nur so lala. Daraufhin hab ich meine Erfahrung genutzt und mich auf eine Form, die relativ vielen Menschen steht und eine Größe, die oft vermisst wird, entschieden. Ich wollte eine Brille machen, die egal ob bei Frau oder Mann gut aussieht und gleichzeitig individuell wirkt.

mvw: Was gefällt dir an deiner Brille am Besten?



max steilen: Ich bin keinen Kompromiss eingegangen und darauf bin ich Stolz. Genauso, dass die Leute, die sie aufsetzen, begeistert sind.

mvw: Manchmal setzt du ja auch den Leuten die Brille auf. Es ist eine Aktion von dir, auf die Straße zu gehen und einfach Passanten deine Brille auf die Nase zu setzen. Was muss ein Mensch mitbringen, dass er für dich dabei in Frage kommt?

max steilen: Gute Laune. Es sollten sympathische Menschen sein, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie einen Moment Zeit haben. Denen erzähle ich dann meist die Geschichte, setze ihnen die Brille auf, mache ein Foto und schicke es ihnen. So weiß wieder jemand mehr davon. Die Erfahrung lehrt mich, dass von zehn Leuten mindestens einer dabei ist, der dann auch eine St. Eilen kauft.

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mvw: Was war bisher die skurrilste Situation?

max steilen: Die skurrilste Situation entstand, als ich einen 70-er Jahre Porsche an der Ampel stehen sah und ich mir dachte, dass es cool wäre, wenn die Fahrerin meine Brille tragen würde. Also klopfte ich an ihre Scheibe und fragte, ob sie mich denn nicht ein Stück mitnehmen könnte, weil ich ihr etwas zeigen muss. Sie war daraufhin so perplex, dass sie einstimmte. Ich setzte ihr meine Brille auf, erzählte ihr davon und folglich wollte sie eine eigene haben. Das war, glaube ich, das Skurrilste. Der totale Überfall (lacht).

mvw: Hat sie mittlerweile eine?

max steilen: Sie hat bestellt, ja.

mvw: Würdest du sagen, dass dieser Vertreter-Effekt, also der persönliche Bezug, eine bessere Werbemaßnahme ist als der ganze Social Media-Kram?

max steilen:
Der persönliche Kontakt ist eine ganz wunderbare Sache, die sich mit Facebook auch gut vereinbaren lässt. Wenn die Leute die Fotos posten und mit ihren Freunden teilen, kann wieder jemand die Brille sehen.

mvw: Aber du bist auch sehr aktiv auf Social Media-Plattformen. Bist du süchtig?

max steilen: Nee, fokussiert. Aber welcher Süchtige würde schon sagen, dass er süchtig ist (lacht). Also es klaut einem viel Zeit und ich versuche es auf das Nötigste runterzubrechen.

mvw: Was hat es mit diesem Papierexperiment auf sich?

max steilen: Nach den ersten Entwürfen haben wir Papierbrillen gebaut. Dieses sogenannte Papierexperiment kann man heute noch auf meiner Webseite herunterladen. Ich habe damals verschiedene Menschen drangsaliert, dass sie das mal machen sollen. Ich bekam einiges an Feedback, sodass ich sehen konnte, ob an dem Modell alles gut ist. Daraufhin wurden Prototypen gebaut, es wurde über Farben diskutiert, bevor die ersten Leute eine Brille bestellten, die sie aber erst viel später bekommen konnten.




mvw: Würdest du sagen, dein Mut hat sich gelohnt?

max steilen: Volle Kanne. Es trägt sich, ich bin schuldenfrei und das ist mir wichtig. Mittlerweile wurden in knapp einem Jahr einhundertfünfzig Exemplare unters Volk gebracht. Ich denke, dass ist eine Erfolgsgeschichte. Dabei agiere ich immer frei nach dem Motto: „Lieber mit dem Fahrrad an den Strand, als mit dem Mercedes ins Büro.“.

mvw: Wie geht es weiter? Es wird ja nicht bei dem einen Modell bleiben, oder?

max steilen: Keiner weiß es. Ich tüftele gerade an Nummer zwei und wenn sie mir genauso gelingt wie die Erste, dann wird es sie auch geben. Falls nicht, dann nicht. Es gibt aber natürlich Prototypen-Entwicklung und ich bin immer interessiert daran, an den Erfolg anzuknüpfen. Falls sie aber nicht perfekt ist, wird es sie auch nicht geben. Darüber hinaus wird noch vor Ostern der Onlineshop gelauncht, was für mich auch ein Meilenstein ist, da man dann von überall eine Brille bestellen kann und ich hoffe, dass die „No. 1“ mal zum Standard gehört. Ein zeitloser Klassiker wäre cool.

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mvw: Siehst du eine Brille eher aus medizinischer Sicht oder ist es Schmuck?

max steilen:
Klar aus modischer Sicht. Wenn man keine Brille tragen möchte, kann man heutzutage einfach Kontaktlinsen hernehmen. Da der medizinische Hintergrund durch meine Ausbildung drin ist, kann ich mich voll auf die modischen Wünsche konzentrieren und das Medizinische läuft automatisch nebenher. Sprich, das Modische ist mir wichtig.

mvw: Dementsprechend laufen da draußen auch Leute ohne Sehschwäche mit deiner Brille rum?

max steilen: Ja. Ich muss zugeben, dass ich das früher auch belächelt habe, aber seitdem es mein eigenes, handgemachtes Produkt ist, macht es mich eher stolz.

mvw: Deine Brille zielt ja auf eine gewisse Gruppe Menschen ab. Hast du dir vorher Gedanken darüber gemacht und könntest du dir vorstellen eine ganz spezielle Brille zu entwerfen?

max steilen: Ich hab prinzipiell schon einmal darüber nachgedacht, dass es von mir eine Gletscherbrille geben könnte. Das ist eine zeitlose Sache und sie werden immer gebraucht, was vor allem für Brillenträger eine gute Sache wäre. Darüber hinaus hab ich auch mal kurz über eine Hochzeitsbrille nachgedacht (lacht).

mvw: Wie soll die aussehen?

max steilen: Keine Ahnung, aber die hätte viele besondere Sachen dran, die man ausschließlich zur Hochzeit trägt.

Webseite: sankteilen.com




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