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„Kaum ein Politiker traut sich klare, offene Worte auszusprechen.“ — Michael Michalsky im Interview

Morgen startet die Berliner Fashion Week in eine neue Runde. Dies haben wir als Anlass genommen und Friedrich hat Michael Michalsky ein paar Fragen gestellt. Die StyleNite von Michalsky setzt seit geraumer Zeit den inoffiziellen Schlusspunkt der Berliner Modewoche. Der in der Hauptstadt ansässige Designer zeigt dabei nicht nur seine neue Kollektion – mit der Präsentation eines Gastlabels und einem erneut viel versprechenden Musikprogramm feiert Michalsky dabei auch seine Wahlheimat und positioniert sich diesmal auch zum Thema Privatsphäre. Die Show im Tempodrom kann am 11. Juli hier im Stream verfolgt werden.

MICHALSKY StyleNite 01 2014 finale women_kristall-magazin

kristall: Zunächst einmal: Können wir Ihnen vorab schon mal ein paar Worte zur neuen Kollektion entlocken?

michael michalsky: Sie wird schön…. (lacht). Sehr oft wird über die Womenswear gesprochen deshalb möchte ich kurz die neue Sneaker-Kollektion erwähnen. Auf die bin ich diesmal besonders stolz. Wir haben zwei neue Modelle entwickelt, die schon im August in die Läden kommen. Einen Basketball-inspired Sneaker, der super bequem ist für all diese Stadt-Nomaden da draußen. Und eine neue Version des beliebten MICHALSKY-Runner. I love those Sneakers…

kristall: Das Leitthema der Kollektion, „Important Secrets“, ist letztlich auch ein politisches. Abgesehen vom Ausdruck durch die neue Kollektion – wie stehen Sie persönlich zum Thema Privatsphäre in der digitalen Gegenwart?

michael michalsky: Ich wundere mich, dass es viel zu wenig Widerspruch und Protest gegen diese flächendeckende, massive Schnüffelei im Internet gibt. Dieses pauschale Ausspähen und die grundsätzliche Überwachung unserer Online-Kommunikation finde ich unerträglich. Ich bin auch sehr enttäuscht von unserer Regierung, wie vorsichtig und zurückhaltend mit dem Thema umgegangen wird. Kaum ein Politiker traut sich klare, offene Worte auszusprechen. Sehr enttäuschend. Eine Regierung ist dazu da, ihre Bürger zu schützen. Das passiert nicht.




kristall: Für die Präsentation des Gastlabels fiel die Wahl diesmal auf Esther Perbandt. Was gefällt Ihnen an dem Label und warum passt es zur StyleNite?

michael michalsky: Esther ist die einzige Designerin in Berlin, die Avantgarde-Mode entwirft. Das gibt es in Deutschland zu wenig, finde ich. Sehr schöne, inspirierende und auch anspruchsvolle Kreationen. Ich kenne Esther schon länger, wir sind uns hier und da in Berlin über die Jahre immer mal wieder begegnet. Ich habe mir Ihre tolle Präsentation im Januar in der Volksbühne angeschaut und daraus ist die Idee entstanden, sie auf die StyleNite einzuladen.

Esther Perbandt

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kristall: Auffällig ist, dass im Musikprogramm diesmal nicht gewohnt einer Ihrer „Helden“ auftaucht, sondern zwei junge Künstler. War das ja sehr junge, moderne Thema „Important Secrets“ hier ausschlaggebend?

michael michalsky: Eigentlich nicht, denn das Thema „Verletzung der Privatsphäre“ betrifft uns ja alle. Ich wähle die Musik-Acts danach aus, welche aktuellen neuen Songs die Bands gerade haben. Wenn mir der Sound gefällt und zum Motto des Abends passt, lade ich sie ein.

kristall: Ballet School gelten seit einiger Zeit als Geheimtipp, dürften vielen aber noch nichts sagen. Wie sind Sie auf die Band aufmerksam geworden und warum haben Sie sie für die StyleNite ausgewählt?

michael michalsky: Mir ist die Band vor einiger Zeit schon aufgefallen und ich fand deren Musik sofort cool, frisch und anders. Ein befreundeter DJ hat mir die empfohlen. Die Stimme der Sängerin ist besonders und natürlich mag ich sie, weil sie aus Berlin kommen.

Ballet School – „Crush“

kristall: Der Sound von Rita Ora ist ein ganz anderer. Was hat hier den Reiz ausgemacht, sie für die Show zu buchen?

michael michalsky: Rita hat eine interessante Geschichte. Kosmopolitisch, international. Sie hat sich durchgeboxt und geht ihren Weg über Ländergrenzen hinweg. Das finde ich cool und unterstütze das. Im Musikbusiness ist es extrem schwer, eine gute Positionierung zu finden. Rita hat das schon früh erkannt und ist auch deshalb so schnell ziemlich erfolgreich geworden.

kristall: Wie viel Stagetime steht beiden Acts jeweils zur Verfügung?

michael michalsky: Das ist einer der Vorteile der StyleNite, wir haben keine festen Line-Ups. Das lieben die Künstler. Während der Proben unterhalten wir uns und ich höre mir die Ideen und Vorschläge der Bands an. Dann legen wir den Ablauf fest. Frida Gold zum Beispiel hat damals für ihren Auftritt auf der StyleNite eine Spezial-Live-Version ihres Hits „Zeig mir wie du tanzt“ eingespielt. Die waren damals sogar extra im Studio, um den Song neu zu interpretieren. Das fand ich klasse.

kristall: Inwiefern ist die Auswahl der Songs mit Ihnen abgestimmt bzw. inwiefern konnten sich die Künstler durch Ihre Arbeiten inspirieren lassen? Wie funktioniert hier die Zusammenarbeit?




michael michalsky: Nachdem feststeht, welcher Künstler auftreten wird, sprechen wir mit dem Management über das StyleNite-Thema und stimmen grob ab, welche Songs passen würden. Dann rede ich mit den Künstlern und wir tauschen uns aus. Oft haben die Bands auch eigene Themen, die sie gerade behandeln. Da suche ich eine Verbindung. Die echte Kreativ-Arbeit passiert dann bei den Proben. Je nachdem, wie spontan die Künstler sind, entstehen sogar manchmal ganz neue Sachen. Ein schöner Prozess. Mit den meisten Künstlern bleibe ich auch nach der StyleNite in regelmäßigem Kontakt.

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  • […] Nach dem Interview ist vor der Show: Kristall und Ampya übertragen die StyleNite von Michael Michalsky LIVE von der Berliner Fashion Week auf deinen Bildschirm! Los geht’s um 20.15 Uhr – direkt vom Red Carpet. Enjoy! […]

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