Interviews, Musik 0

Am Telefon: Mina Tindle

Mina Tindle: In Paris geboren, in Spanien gelebt und in New York gewohnt, lernte im Jahr 2007 die Musiker von Grizzly Bear und The National kennen und beschloss selbst tätig zu werden. Erster Schritt: Background-Vocals bei The National. Mittlerweile hat sie ihr zweites Album veröffentlicht auf dem wiederum Bryce Dessner, Gitarrist von The National, mitgewirkt hat. „Parades“ heißt die Platte und kann sich absolut hören lassen. Heute Abend ist sie im Zuge des Chic Schnack Festivals auf der FluxBau-Bühne in Berlin zu sehen. Zuvor haben wir sie noch an den Hörer bekommen und ein wenig mit ihr chic geschnackt. Tädä!

kristall: Magst du Telefongespräche?

mina tindle: Ähm, ja. (lacht) Ich benutze mein Telefon oft und viel zu viel.

kristall: Klar, du bist viel unterwegs. Dementsprechend ist das Teil wahrscheinlich ziemlich wichtig für dich, oder?

mina tindle: Heutzutage ist das Telefon ja ein Computer und da geht es mir wie jedem, der es zum Arbeiten braucht. Aber es ist schon irgendwie verrückt, dass man sein Büro jederzeit mit sich trägt.

kristall: Englisch oder Französisch? Mit welcher Sprache fühlst du dich beim Singen wohler?

mina tindle: Das kommt wirklich ganz darauf an… Ich habe diesbezüglich keine richtige Verbindung zu einer der beiden Sprachen. Wenn ich singe achte ich meist gar nicht darauf, aber klar, wenn ich schreibe, dann fällt mir französisch ein wenig mehr zu, da es meine Muttersprache ist. Aber generell bieten sich für mich dabei zwei verschiedene Klangfarben an. Wenn du jemanden singen hörst, dann hast du unterschiedliche Bilder und Gefühle dazu und deswegen kann ich mich da nicht so richtig festlegen.

kristall: … und aufgrund der Klangfarbe entscheidest du dann, ob ein Song einen französischen oder englischen Text bekommt?

mina tindle: Genau, wenn es eine Melodie gibt, dann probiere ich ein paar Dinge aus und folge dann meist der ersten Intuition.

Mina Tindle – „I Command“

kristall: Würden wir jetzt einen Wettkampf ausrufen, dann würde französisch auf deinem aktuellen Album „Parades“ gewinnen.

mina tindle: Ja?

kristall: Ich glaube, deine Muttersprache hat den höheren Anteil.

mina tindle: Ja und das erste Album war komplett auf englisch. Also, es kommt einfach darauf an…

kristall: Neben dem Sprachmix ist auch der Sound auffällig unterschiedlich. Da gibt es die Popsongs, aber auch die klassischen Singer-Songwriter-Passagen. Magst du es auch da zu experimentieren?

mina tindle: Ich habe viel Musik gehört. Gemeinsam mit meinem Produzenten Olivier Marguerit habe ich viel Zeit unterwegs im Van verbracht und da haben wir uns von dem verschiedensten Richtungen inspirieren lassen. Für dieses Album war es so, aber beim nächsten Mal kann es sein, dass der Sound wieder beständiger wird. Wie gesagt, bei „Parades“ hat es aber Spaß gemacht zu experimentieren.

kristall: So gesehen gibt es keine Stilrichtung, die du für deine Songs bevorzugst…



mina tindle: Naja, da gibt es den Song „Dehors“, was soviel wie draußen bedeutet und den mag ich schon sehr.

kristall: Ist das auch der Song, den du den Hörern empfiehlst?

mina tindle: Nein, ich denke, es ist einfach ein guter Song, der auf französisch ist und mich an Brasilien und ein wenig an Bon Iver erinnert. Ich war einfach glücklich als wir ihn zu Ende gebracht hatten. Aber das Album hat so viele Facetten, da ist es schwer einen raus zu picken. Es kommt ein wenig darauf an, in welcher Stimmung man sich befindet.

kristall: In der Presse liest man dann von Vergleichen mit Cat Power, Feist und Katie Melua. Welcher ist dir am liebsten?

mina tindle: Alle sind großartig. Aber mit Vergleichen ist das immer so eine Sache… (überlegt) Ich denke, es ist gut für die Leute, damit sie einen Anhaltspunkt haben in welche Richtung es geht, aber am Ende ist ja nicht die gleiche Musik.

kristall: Kommen wir zu einen anderen Namen: Bryce Dessner.

mina tindle: Ja, Bryce und ich kennen uns jetzt schon eine ganze Weile. Vor neun Jahren haben wir mal einen Song zusammen gemacht und beschlossen mal irgendwann wieder etwas zu machen. Jetzt haben wir ganz am Anfang des Entstehungsprozesses von „Parades“ zwei Songs aufgenommen, also noch bevor ich nach Paris gegangen bin, um die Aufnahme zu starten.

kristall: Wie hast du Bryce und die anderen von The National kennengelernt?

mina tindle: Ich habe vor zehn Jahren mal auf einem Festival gearbeitet, auf dem die Jungs gespielt haben.

kristall: …und dann haben sie dich gefragt, ob du auf „The Boxer“ etwas einsingen kannst?

mina tindle: Ja, ich habe ein paar Background-Stimmen eingesungen, aber die sind soweit im Background, dass ich mich da selbst fast nicht hören kann (lacht).

Mina Tindle_kristall-magazin

kristall: Heute spielst du noch ein Konzert in Berlin. Wie sieht für dich das perfekte Konzert als Musikerin aus?

mina tindle: Ich hatte zu Beginn der Woche ein Konzert in Paris und ich denke, dass es nahezu perfekt war.

kristall: Warum?

mina tindle: Drei Freundinnen von mir haben mitgesungen und es macht mir viel Freude mit Stimmen und Harmonien zu arbeiten. Dann haben wir das Artwork der Platte über die ganze Bühne projiziert und das zusammen war so ein großartiger Moment. Obendrein war es in meiner Heimatstadt und alle Leute, die ich mag waren da. Das war wunderschön und ich glücklich.

kristall: Wie ist als Konzertbesucherin für dich? Wie sollte da das perfekte Konzert aussehen?

mina tindle: Ich mag es, wenn es authentisch und ehrlich ist, was auf der Bühne passiert. Wenn die Show stimmig und gut vorbereitet ist.

kristall: Hast du ein Beispiel?

mina tindle: Ja, The National ist da schon ein gutes Beispiel. Aber da gibt es so viel… Als ich jünger war, war ich mal auf einem Konzert von Elliot Smith. Das war auch großartig.

kristall: Hast du Erwartungen, wenn du auf die Bühne gehst?

mina tindle: Genau diese Magie soll passieren. Die ehrliche, authentische Kommunikation ist schon irgendwie eine Erwartung.

kristall: Denkst du es gibt einen Schlüssel dafür. Hast du für dich Dinge, die da funktionieren, um diese Stimmung zu erzeugen?

mina tindle: Nein!

kristall: Ok!

mina tindle: Natürlich kann man sich etwas vorstellen, aber am Ende gab es da niemand, der mir die Tricks verraten hat.

kristall: Gibt es neben der Musik noch andere Leidenschaften in deinem Leben und würden die dein Leben füllen, wenn du nicht Musikerin wärest?

mina tindle: Das gibt es einige andere Dinge, aber ich wüsste nicht, was es dann wäre. Das ist eine Frage, die Leute oft stellen, aber ich kann sie nicht beantworten. Wahrscheinlich würde es mir, da ich sehr neugierig bin, nicht all zu schwer fallen, etwas anderes zu finden.

kristall: Wo findest du deinen Ausgleich zum Touralltag und dem Leben als Musikerin?

mina tindle: Das ist schwer. Es ist ein verrücktes Leben, aber ich versuche einen Weg zu finden (lacht).

kristall: Du versuchst? Also hast du noch keinen Weg gefunden?

mina tindle: Das ist echt schwer. Ich hab mit Leuten geredet, die haben erst nach zehn Jahren auf Tour etwas für sich gefunden. Für mich ist das erst die zweite Tour…

kristall: Lass uns zum Abschluss noch ein wenig Poesie-Album spielen. Was ist deine Lieblingsstadt?

mina tindle: Sevilla! Es ist eine magische Stadt.

kristall: Sport?

mina tindle: Ich gehe jede Woche schwimmen.

kristall: Kommunikationsmedium?

mina tindle: Musik.

kristall: Konzert?

mina tindle: Elliot Smith.

kristall: Magazin?

mina tindle: XXI. Das ist ein französisches Mook. Eine Mischung aus Magazin und Buch. Es ist richtig schön.

kristall: An was denkst du, wenn du Kristall hörst?

mina tindle: Stärke und Schwäche zur gleichen Zeit.

kristall: Danke.

mina tindle: Bitte.

Das könnte dich auch interessieren

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben